Studienverlauf Produktdesign

Die grundlegende Idee des Designstudiums an der FH Potsdam lässt sich auf die Formel »Fachspezialisierung auf breitem Fundament« bringen. Das bedeutet, dass im ersten Studienabschnitt fundierte Grundkenntnisse vermittelt werden, die eine gestalterische Handlungsbefähigung schaffen. Diese ist das Fundament der individuellen fachlichen Spezialisierung im zweiten Studienabschnitt.

Umsonst ist das Studieren leider nicht – Informationen zum aktuellen Semesterbeitrag gibt es auf der Website der FH Potsdam.

1. Studienabschnitt

Im Wesentlichen werden die Gestaltungsgrundlagen aller drei Studiengänge Kommunikations-, Produkt- und Interfacedesign während des 1. Studienabschnitts gemeinsam und vorwiegend übergreifend unterrichtet. Insgesamt 18 geforderte Leistungsnachweise und die anvisierte Regelstudienzeit von drei Semestern sorgen für ein volles und ausgefülltes Programm: hohe Frequenz und inhaltliche Dichte. Um die universelle fachliche Qualifikation des Grundstudiums zu gewährleisten, müssen die Leistungsnachweise aus unterschiedlichen Bereichen der Fächermatrix stammen – und dafür gibt es das Modulsystem.

Modulsystem
Das Modulsystem ist eine Zusammenfassung der Einzelfächer in Fächergruppen, und dieser Fächergruppen in Module, die wiederum einen Studienabschnitt bilden. Hierbei gilt: die erste Ziffer vor dem Punkt weist auf den 1. oder 2. Studienabschnitt hin (3. steht für Master), die anschließende auf das Modul (1.0 bis 2.4) bzw. die darauf folgenden beiden Ziffern auf die Fächergruppe (1.01 bis 2.32) und alle weiteren auf die Fächerzuordnung (1.011 bis 2.323). Die gesamte Modulmatrix ist quasi zugleich Abbild und Struktur des Curriculums.

Wie und wann man nun seine Fächer aus dem Modulsystem belegt, ist individuell und – je nach Interesse – planbar. Dennoch gibt es dazu ein paar Tipps: Die Gestaltungsgrundlagen (Modul 1.0) einschließlich der studiengangsbezogenen Pflichtkurse (Modul 1.1) sowie die Werkstattkurse (1.41) sind Türöffner: Sie vermitteln Grundkenntnisse, stellen einen guten Start ins Studium dar und vergrößern das Handlungsspektrum für Studienanfänger. Zudem verlangen einige Kurse des Moduls »studiengangs- und fachbezogene Grundlagen« zuvor Werkstatt- oder Laboreinführungen.

Die größten Wahlmöglichkeiten gibt es in den beiden Gestaltungs-Modulen 1.0 und 1.1. Hier müssen jeweils 5 Scheine erworben werden, die wiederum in der Mindestanzahl Fächergruppen oder einzelnen Pflichtfächern zugeordnet werden. Das heißt zum Beispiel: von den 5 Leistungsnachweisen des ersten Moduls müssen jeweils 2 in den beiden Fächergruppen absolviert werden – wobei die darin angebotenen Fächer nach Interesse und der übrige Leitungsnachweis im Modul frei belegbar sind. Eine mehrfache Fächerbelegung ist dann möglich, wenn es in der Modulmatrix entsprechend gekennzeichnet ist. In den weiteren Modulen wird genauso verfahren, und selbst bei den Pflichtfächern stehen meist mehrere Angebote zur Wahl.

Da fällt es leicht, sich schon früh an seinen Vorlieben zu orientieren. Doch vielleicht bleibt ja noch Zeit oder wenigstens Muße, den einen oder anderen Bereich zu probieren, den man noch gar nicht kennt – das Studium ist dafür die beste Gelegenheit! Vielleicht ist es ratsam, sich zum Studienbeginn grobe Ziele zu setzen. »Erstmal viel probieren« oder »Mal sehen wo es hingeht« ist sicherlich ein produktiverer Ansatz als »Hoffentlich bin ich bald durch« oder »Ich will nur glatte Einsen«.
 
Stundenplanung
Sind erst einmal die Vorlieben erkundet, sollte man sicher gehen, dass die gewählten Fächer anerkannt werden. Ein individueller Online-Studienplaner bietet bei regelmäßiger Pflege jederzeit den aktuellen Leistungsstand abrufbar. Der Studienplaner bietet in jedem Fall eine sinnvolle Hilfestellung zur Studienplanung, dennoch verläuft nicht immer alles nach Plan, und dann benötigt man konkrete Beratung. Jeder Studiengang stellt eine/n ProfessorIn für die Studienberatung.

Den Online-Studienplaner können Sie im Login-Bereich auf Incom unter "Mein Studienplaner" aufrufen, wenn Sie angemeldet und eingeloggt sind.

Während die Regelstudienzeit vor allem für BAföG-Empfänger relevant ist, stellen die 18 Leistungsnachweise das Muss für alle dar, die zur Zwischenprüfung und damit zum 2. Studienabschnitt zugelassen werden wollen. Das Modulsystem bietet leider keinen Überblick über die zeitliche Parallelität der Lehrveranstaltungen – dazu muss das Schwarze Brett, also der Aushang der Lehrveranstaltungen im Inforaum Haus 5 / 2.10 – herhalten. Wer es bequemer haben will, hat die Möglichkeit auf den Webseiten das aktuelle Lehrangebot in einem Stundenplaner abzulesen, farblich nach Studiengängen markiert und sortierbar nach zeitlicher Überschneidung oder Kursnummer.  

Am Anfang eines jeden Semesters finden so genannte »Einführungsveranstaltungen« statt, bei denen sich die Lehrenden mit ihren Themen vorstellen. Dabei auf auf die Zwischentöne achten (z.B. geforderte Grundkenntnisse)! Diese Empfehlungen spiegeln meist Lehrerfahrungen wieder, die man ernst nehmen sollte.
 
Zwischenprüfung
Nach in der Regel 3 Semestern und nach dem Schein-Erwerb kann man sich zur »Zwischenprüfung« anmelden. Die Prüfung findet im Rahmen einer öffentlichen Präsentation und einem anschließenden Kolloquium statt, in der die studiengangsspezifischen Kenntnisse und die bisher erworbene Gestaltungskompetenz modulübergreifend dargestellt werden soll. Zur dieser »modulübergreifenden Prüfung« werden Kommissionen gebildet, die aus drei Lehrenden unterschiedlicher Fachrichtungen bestehen und denen die Prüflinge nach dem Zufallsprinzip zugeteilt werden.
Sinn der Prüfung ist, die Befähigung zum weiteren Studium festzustellen und wegweisend Hilfestellung zu leisten. Es soll geklärt werden, ob die inhaltlichen, gestalterischen und wissenschaftlichen Grundlagen des Faches erworben wurden und die/der Studierende befähigt ist, die stärker konzeptionell und methodisch orientierten Aufgabenstellungen des darauf folgenden 2. Studienabschnitts zu bewältigen.

Zwar dreht sich dabei alles um die Arbeiten, die im 1. Studienabschnitt gemacht wurden, aber vielmehr als um die Arbeiten an sich geht es nun um deren kluge Auswahl, elegante Straffung, packende Dramaturgie und kritische Reflexion. Ist die/der Studierende imstande, Distanz zu sich selbst, ihrer/seiner Entwicklung und den Arbeiten herzustellen? Wird das Wesentliche der bisherigen Ausbildung erfasst? Bestehen Qualitätsbewusstsein und Ziele? Ist die Präsentation adäquat? Entspricht die analoge und digitale Dokumentation den gestalterischen Anforderungen?
Was es sicher gibt, ist eine Viertelstunde Zeit und drei Zuhörer, bei denen man unter Umständen noch nicht studiert hat. Diese Prüfung ist wichtig. Es empfiehlt sich, im Vorfeld die Präsentationen der KommilitonInnen der höheren Fachsemester zu besuchen und die Lehrenden nach ihrem Verhältnis zu den Anforderungen an die Prüfung zu fragen, denn die können mitunter verschieden sein. Und dann: Viel Glück!

2. Studienabschnitt

Die meisten Studierenden werden nun schon wissen, ob sie sich eher in Richtung Illustration oder Werbung orientieren, Game-Designer werden oder Produkte entwickeln wollen. Dem trägt das etwas entschärfte Studienprogramm Rechnung, das eine individuelle Ausrichtung ermöglicht. Neben den 8 (im Diplomstudium 10) Scheinen im Konzeptions- und Entwurfsmodul 2.1 – von denen max. 3 aus einem Fach anerkannt werden – müssen noch 10 (Diplom 11) weitere Leistungsnachweise erbracht werden. Aber aufgepasst: die Themen werden im 2. Studienabschnitt konzeptionell wie gestalterisch um ein vielfaches anspruchsvoller und erfordern mehr Zeit als im Grundlagenstudium. Daher sollten die verbleibenden Semester vorausschauend geplant und bei der Wahl der Fächer auf einen sinnvoll thematischen Querschnitt geachtet werden, da man sonst keinem Fach gerecht werden kann. Auf die richtige Mischung kommt es an: zwei bis max. drei Entwurfsfächer, zwei Theoriefächer und eine komplementäre Veranstaltung pro Semester sind durchaus zu bewältigen. Nicht vergessen, auch im 2. Studienabschnitt müssen die Projektwochen noch zweimal besucht werden. Wer nebenher arbeitet, wird ohnehin mit seinen Freizeitaktivitäten kürzer treten müssen – oder besser noch, das Geldverdienen in die vorlesungsfreie Zeit verlagern.

Es ist immer wieder überraschend, wie schnell ein Semester zu Ende geht. Und natürlich braucht man zum Anfang seine Zeit, sich in die Aufgabenstellung einzuarbeiten. Aber unterm Strich bietet jedes Semester doch mindestens 14 Wochen – und das ist viel Zeit, wenn man sie auch bewusst nutzt. Daher die Empfehlung, rechtzeitig zu beginnen, damit es nicht am Ende des Semesters wieder heißt: »Eigentlich ein tolles Projekt, aber es war zuwenig Zeit ...«
 
Fachpraktikum
Den Praktikumsplatz sucht man sich selbstständig, ebenso eine/n Betreuenden aus der Professorenschaft, die/der einem im Vorfeld den Platz und anschließend das Praktikum als Leistungsnachweis bescheinigt. Vorausgesetzt wird eine ordentliche Dokumentation, vorzugsweise belegt mit einigen exemplarischen Bilddokumenten, die einen Eindruck des Arbeitsumfelds wiedergeben. Die Lehrenden beraten auch bei der Suche nach dem richtigen Praktikumsplatz – ansonsten werden regelmäßig auf INCOM Plätze angeboten – und sie helfen, wenn es zum Beispiel während der Praktikumszeit zu Vertragsproblemen kommt. Also nicht auf die leichte Schulter nehmen, egal wie gut man den Agenturchef kennt: ein Praktikumsvertrag ist Pflicht! Mustervertrag und Praktikumsordnung sind auf den Webseiten verfügbar.

Für viele ist das im Studium geforderte Fachpraktikum die erste Berührung mit der Praxis. Und auch der erste Schritt, mit Design Geld zu verdienen. Man tut gut daran, das Praktikum nicht zu früh anzusetzen, damit man sich im Gestaltungsbüro, in der Agentur, im Produktionswerk beziehungsweise generell im Produktionsablauf nicht alles erst erklären lassen muss. Einerseits ist man so wertvoller für die Agentur, andererseits erweitert man sich dadurch sein Handlungsspektrum, also folglich auch den Einsatz- und den beruflichen Erfahrungsbereich. Übrigens, nicht selten arbeiten Ex-Praktikanten als »Freelancer« weiter für die Agenturen. Das bedeutet noch weniger Zeit zum Studieren, aber auch mehr Einnahmen bei weniger Zeit zum Geld ausgeben: ein Teufelskreis!
 
Abschlussprüfung
Für viele Studierende wird's dann auch Zeit. Lukrative Nebenjobs locken, die Hochschule wird zur Routine – oder zur routinierten Abstinenz –, die eigene Perspektive bekommt Konturen. Und wenn sogar Frau Hardel im Prüfungsamt alle Scheine bekommen hat, ist es definitiv Zeit zu gehen. Der erste Schritt der Emanzipation ist die Anmeldung zu Präsentation und Kolloquium des 2. Studienabschnitts, die zugleich der erste Teil der Abschlussprüfung sind. Die Präsentation ist das Äquivalent zur Zwischenprüfung nach Ende des 1. Studienabschnitts und stellt die abschließende fachübergreifende Prüfung dar, mit dem Ziel, die Studierenden zur Bachelor- bzw. Diplomarbeit zuzulassen. Gefordert sind auch hier die reflektierte, selbstkritische Rückschau auf das Studium unter klarer Skizzierung der späteren Tätigkeitsfelder und gesunder Einschätzung des eigenen gestalterischen, künstlerischen oder konzeptionellen Potenzials sowie die Abgabe einer adäquaten Dokumentation. Und erst danach geht’s ins Finale!

Bachelorarbeit

Wieder hat man die Wahl: Ein letztes freies Projekt, ohne Zwänge von außen, mit einer Bearbeitungszeit von drei Monaten, oder ein umfangreiches Kooperationsprojekt, mit allen Unfairnissen der Praxis, aber der Chance auf Realisierung, Ruhm und Ehre sowie dem Bonus einer Bearbeitungszeit von sechs Monaten. So oder so: beides wird hier gleich gerne betreut, schließlich gibt es ja auch stark und weniger stark angewandte Fächer. Die Themen der Bachelor- bzw. Diplomarbeit suchen sich die Prüflinge in der Regel selbst aus und schlagen sie den Betreuern vor. Die Betreuenden, in der Regel zwei, müssen hauptamtlich an der FH Lehrende sein, dürfen bei Bedarf durch externe Gutachter ergänzt werden. Man kann sich auch diesbezüglich bei Frau Hardel erkundigen. Zu beachten ist: Die BetreuerInnen müssen einen nicht annehmen. Uninteressante oder abwegige Themen dürfen ohne Angabe von Gründen abgelehnt werden.

Einmal angefangen, sollte man sich lieber nicht unnötig in zeitliche Bedrängnis bringen, sondern Fragen frühzeitig mit den ProfessorInnen klären. Und selbst wenn man erst einmal in die Arbeit abgetaucht ist, ist man nicht allein gelassen: Selbst bei ungebremstem Tatendrang kann der Rat der BetreuerInnen wegweisend sein. Übrigens wird neben der praktisch-ergebnisorientierten Arbeit auch eine umfangreiche theoretische Basis verlangt – der genaue Umfang sollte dabei im Vorfeld  individuell mit den entsprechenden BetreuerInnen geregelt werden. Dies gilt auch für die finale Präsentation und das Kolloquium der Abschlussarbeit, die durchaus auch die Neugierde eines größeren Publikums erreichen kann.

Gutes Studieren!
Manche dieser Hinweise hören sich oberschlau oder grausam an. Letztlich ist Ihr Studium allein Ihre Angelegenheit und Sie allein entscheiden, welchen Rat Sie befolgen wollen und welchen nicht. Was sich aber mit ziemlicher Sicherheit sagen lässt, ist, dass Sie sich später gerne an diese Zeit zurückerinnern werden. Und wenn mal was nicht gut läuft, dann kommen Sie und reden Sie mit uns! Die meisten Lehrenden haben ein offenes Ohr, auch für persönliche Verwicklungen. Nur den ersten Schritt, den müssen Sie selbst tun. Und jetzt: Viel Spaß beim Studieren!