Tee

oder Teezeremonien in Kulturen und dessen Keramiken

Tee ist ein heißes Aufgussgetränk, das aus Pflanzenteilen, wie Blättern, Knospen und Blüten zubereitet wird. Teepflanzen waren zunächst nur in China bekannt. 1820 wurden in Indien wild wachsende Pflanzen entdeckt, die aber längere Zeit nicht richtig identifiziert wurden. Erst ab 1834 wurde diese Art kultiviert und mit anderen Arten gekreuzt. Die Kreuzungen wurden bald auch in anderen für sie geeigneten Regionen gezüchtet und angebaut und später exportiert. Aber auch Europa kannte schon die Wirkungen, teils heilend, teils belebend von Kräutern und Gräsern, dargereicht in Teeform. In den unterschiedlichsten Kulturen entwickelte sich eine individuelle Teezubereitung und Teezeremonien, die sich in der höchsten Verfeinerung in japanischen Teehäusern zelebrieren lassen. Jede Kultur erfand teils in Jahrhunderte langen Prozess, wie China in der  Ming-Dynastie (1368–1644) ein individuelles Teegeschirr.
Im Projekt sollen die unterschiedlichen Teekulturen recherchiert und analysiert und jeweils zu den Kulturen neue Geschirrszenarien in 1:1 Modellen gestaltet werden.
Als Projektpartner stand die brandenburgische Porzellanmanufaktur »Adam und Ziege« beratend zur Seite.


Betreuung Prof. Hermann Weizenegger
Zeitraum Wintersemester 2008/09
Ansprechpartner Prof. Hermann Weizenegger
Foto Prof. Hermann Weizenegger

Set 2010

»Ein stapelbares Service; kompakt, raumsparend, in sich geschlossen und trotzdem jedes Elemnt in sich bestimmt und mit der ihm zukommenden Charakteristik.«

Jeder Bestandteil eines Teeservices, ob Kanne, Kännchen, Teedose oder Tasse unterliegt einer bestimmten Funktion/Aufgabe. Dieser zu ensprechen bedeutet, die individuelle Geste in der Form herauszuarbeiten und gleichzeitig eine verständliche Rangordnung untereinander herzustellen, die dem zeremoniellen Ablauf des Teetrinkens gerecht wird.

Set bestehend aus: Teekanne, (Milch)-kännchen, Teeschale(n), Deckel, Teedose für Beutel


Material Porzellan, lasiert
Autor
Robert Just
Rendering Robert Just
Betreuung Prof. Hermann Weizenegger
Zeitraum Wintersemester 2008/09

GLANZ&GLORIA 2009

Die Glaskanne GLANZ&GLORIA kann verschiedene Inhalte fassen und diese durch drei rundum angebrachte Schnaupen ausgießen oder -schütten. Vordergründig für Kaffeesahne und Zucker entworfen, bleiben diese Kännchen jedoch für jeden Inhalt offen.
Durch die umgreifende Anordnung von Tüllen ist kein Drehen bei Aufnahme der Kanne zum Gießen mehr nötig. Die Anordnung von drei Schnaupen ist konzeptionell und formal begründet und soll funktional und optisch reizvoll zugleich sein. Gefertigt aus hitzebeständigem Borosilikatglas behalten die Objekte einen Anschein handwerklicher Bearbeitung, da an den Stellen der rausgezogenen Tüllen das Glas dünner und natürlich verformt ist.
Formell erinnern sie an chemische Erlmeierkolben und stellen so gewollte Bezüge zu technischen Geräten und handwerklichen Arbeiten her, die durch die grafische Anordnung der Schnaupen und die Überführung in die Ess- und Trinkkultur wieder ausgeglichen werden.
(Seit 2009 bei Raumgestalt GmbH in Produktion)


Material Borosilikatglas
Autor Christian Metzner
Foto Christian Metzner
Betreuung Prof. Hermann Weizenegger
Zeitraum Wintersemester 2008/09

two t(w)o on

Fragen die sich während des Designprozesses evaluierten waren unter anderem, warum des Service oft nur zu bestimmten mehr oder minder festlichen Anlässen aufgetischt wird. Ist nicht gerade die Auseinandersetzung zweier Personen miteinander das spannende?

Wo ist also das »Service« für zwei Personen, welches platzsparenden im Schrank verstaut wird und beim nutzen dem Gegenüber ein gewissen Respekt entgegenbringt, indem nicht ein Teil aus dem Acht man Unikum Teeservice herausgelöst wird bzw. die einzelne, mit modischen Farben versehene Tasse aus einem Sammelsurium genutzt wird. Viel Ideen und Ansätze sind vor allem durch die Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten Teetradition und Tradition im Allgemeinen entstanden und bildeten die Basis für denn Entwurf »two t(w)o on«.


Material Porzellan, lasiert, Stahl, vercromt
Autor Eric Habermann
Rendering Eric Habermann
Betreuung Prof. Hermann Weizenegger
Zeitraum Wintersemester 2008/09

PapierTeekanne

Aus einem einzelnen Papierbogen, ganz ohne Klebstoff hergestellt – das ist die leichteste, dünnste, billigste Teekanne: die »Papier-Teekanne«

Ihr größter Vorteil ist ihr geringes Gewicht. Dadurch sind die Transportkosten sehr niedrig.
Papier ist als Material sehr gut geeignet für Corporate Design: Man kann die Kanne nach Belieben mit grafischen Motiven (Logos, Werbung u.ä.) bedrucken.
Die Herstellung ist äußerst billig, die Kanne ist für Massenproduktion entwickelt, als Einweg-Produkt.
Normalerweise ist das Design einer Teekanne auf dauerhafte Schönheit angelegt, das Design der Papierteekanne zielt dagegen – ähnlich wie Origami oder die Feuerwerkskunst – auf eine Ästhetik des Augenblicks.

Verwendungsmöglichkeiten:

  • Tee-Service in Flugzeugen und Zügen, wegen des geringen Gewichts und des geringen Platzverbrauchs
  • Neue Formsprache für Teebeutel
  • Tee-Ausschank in Imbissen oder DimSum-Restaurants: Man spart Geld und Zeit, weil es keinen Abwasch gibt
  • als Do it Yourself-Teekanne


Material Kaminabe Washi (spezielles japanisches Papier 平版紙鍋) mit folgenden Eigenschaften:
a) Undurchlässigkeit für kochendes Wasser bis zu 12 Stunden, b) Hitzebeständigkeit selbst bei offenem Feuer bis zu 5 Stunden (wenn befeuchtet) (dadurch kann die Kanne auch auf Stövchen verwendet werden)
Autor
Tai Wai David Chan
Foto Tai Wai David Chan
Betreuung Prof. Hermann Weizenegger
Zeitraum Wintersemester 2008/09

SAINT-LOUIS & KÉDOUGOU

Im Senegal sowie in der umgebenden Sahel-Region ist der stark gezuckerte ATAYA in aller Munde. Diese Art des Teetrinkens  macht sich dort vor allem erst seit einigen Jahrzehnten, als auf der Strasse zelebrierte Dauerbeschäftigung breit. Der ATAYA ist mittlerweile zur Volksdroge der Senegalesen geworden, der wegen seinen Zeit- und Zahnaufressenden Nebeneffekten der Jugend neues Laster wurde.


SAINT-LOUIS
Stellvertretend für die Geschichte und heterogene soziale Lage Senegals – zwischen Import von europäischer Kultur und verbliebener wirtschaftlicher  Emanzipation – verbindet das Tee-Set »Saint-Louis« verschiedene Materialien und Formsprachen, wie man sie sonst noch von kolonialem Prachtgeschirr kennt. Ein Blick in einfachere Gemächer Senegals lässt ebenfalls ein Patchwork unterschiedlicher Materialien und Produktqualitäten erkennen. So steht die gedrehte Kanne für rurale Erdigkeit und zitiert eine ursprüngliche Formsprache Afrikas. Der Löwe – zugleich Karyatide und Teesieb – ist das Nationaltier Senegals. Die Ausführung in glänzendem Hartporzellan und die Formsprache des dazugehörigen Tellers verweisen auf das kulturelle Erbe der Kolonisation. Die isolierenden Trinkbecher aus tropischen Hölzern sind von edler und angenehm weicher Materialität.

Material Hartporzellan, gedrehter Mangan-Ton, Hölzer: schwarz = afrik. Ebenholz, braun = Bubinga Pommelé, lila = Amaranth. In Zusammenarbeit mit Adam & Ziege Porzellanmanufaktur


KÉDOUGOU
Die Merkmale des typischen ATAYA-Glases sind folgende:
Zylinder, von ø=5cm, höhe=7cm. Diese bilden den Ausgangspunkt für die formale Gestaltung des gesamten Sets. Das Sieb verschmilzt mit dem Untersetzteller und wird zum Bindeglied – einer Art Säule – eines für die Zeremonie benötigten Tischs. Die sehr schlichte zylindrische Form wird belebt durch eine erdige Materialität des modellierten Tons, der unter der unregelmässig verlaufenen Glasur hindurchscheint. Die jazzig-vibrierende Zeichnung von Gast Michels unterstreicht den improvisierten und naiven Charakter des Produkts. Alle Einzelteile lassen sich zu einer auf drei Zylinder reduzierte Plastik stapeln. Der Aufguß kann mit elektr. Wasserkocher oder in traditioneller Ergänzung mit Emaillekanne über Flamme getätigt werden.

Material
Drehkeramik, glasiert, eingebrannter Digitaldruck. In Zusammenarbeit mit Keramikerin Dagmar Lietz


Autor Frank Michels
Foto Frank Michels
Betreuung Prof. Hermann Weizenegger
Zeitraum Wintersemester 2008/09

 

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