Jan Wielert
Mobilität im urbanen Raum – urbaner Wirtschaftsverkehr
Studiengang Produktdesign
Mentoren Prof. Nils Krüger, Prof. Helmut Staubach (Kunsthochschule Berlin Weißensee)
Präsentation voraussichtlich im September 2011
Kurzbeschreibung
Mobilität ist Grundbedürfnis und Ausdruck menschlicher Freiheit und Emanzipation, welche ausschlaggebend für die von hoher Wahlfreiheit und Selbstbestimmtheit geprägten Möglichkeit der Teilhabe an Prozessen des sozioökonomischen, technischen und räumlich-strukturellen Wandels ist. Doch gerade aufgrund dieses dauerhaften Wandels, einhergehend mit klimatischen und demografischen Veränderungen, werden die Anforderungen an die Sicherstellung der Mobilität zunehmend schwerer.
Problem- und Fragestellung
Die zentrale Fragestellung findet ihren Ursprung in der Wechselwirkung zwischen Mobilität und Gesellschaft: Mobilität bringt nicht nur die Gesellschaft voran, sondern die Gesellschaft bringt auch die Mobilität voran. Diese enge Verbindung beider Begriffe setzt voraus, dass allgemeine gesellschaftliche Veränderungen als Grundlage der Veränderung mobiler Prozesse im urbanen Raum gesehen werden müssen. Die ganzheitliche Betrachtung des sich gegenseitig bedingenden Konstrukts von Mobilität, Urbanität und Gesellschaft bildet den Ausgangspunkt der Masterthesis.
Die Annahme von Heinrich Popitz, dass der »Ort an dem man sich gerade befindet, der Standort (...) im System fliegender Informationen irrelevant« wird und der »Raum als Distanz, als Weite zu einer altmodischen Kategorie« (1) verkommt, bringt die raumbezogene und verkehrliche Relevanz der modernen Informations- und Kommunikationstechnologien zum Ausdruck. Als aktuelles Beispiel lässt sich hier die schlechte wirtschaftliche Situation der Karstadt GmbH nennen. Obwohl die wirtschaftlichen Probleme des Konzerns natürlich auch auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen sind, ist zu überdenken, ob das Konzept des Warenhauses in Zukunft noch funktionieren wird. Bislang war das Warenhaus als Ort der kurzen Wege mit einem breiten und tiefen Sortiment sehr verbraucherfreundlich. Das Konzept des Warenhauses hat jedoch in Zeiten gesellschaftlicher Individualisierung Probleme, mit dem Angebot im Internet mitzuhalten. Nirgends sind die Wege so kurz und das Angebot so tief wie im Internet. »E-Mobility« und »E-Shopping« lassen die wahren Ausmaße der Globalisierung zum Ausdruck kommen: »Your Chinese clock radio sounds, waking you up with news from the BBC, and you slip out of your Egyptian cotton sheets and into the shower. You dry off and put on your underwear from El Salvador, jeans from Lesotho, and your favourite blue shirt from Sri Lanka ...«. (2) Dieses Zitat steht zwar nicht in direktem Bezug zur virtuellen Mobilität, bezieht man jedoch den Lieferweg ein, so werden die Auswirkungen auf die räumliche Mobilität deutlich. Transportierte der Verbraucher früher die Ware selbst vom Ort des Konsums nach Hause, wird sie ihm heute an die Haustür geliefert. Daraus ergeben sich weitreichende Folgen für die Feinverteilung der Güter im urbanen Raum. Güter effizient auf einzelne Nachfrage, ohne das »Zwischenlager« im Kaufhaus zu liefern, erfordert eine neue Strukturierung und die Hinterfragung
bekannter Belieferungsmodelle.
Hieraus lässt sich die Kernfrage der Masterthesis ableiten: Wie kann der Veränderung des urbanen Lieferverkehrs entgegnet werden?
Gestaltungsvorhaben
Über eine Um- bzw. Neustrukturierung des Lieferverkehrs sollen neue Produktlösungen und Konzepte für den urbanen Lieferverkehr entwickelt werden. Aus jetziger Sicht soll das Hauptaugenmerk auf multimodalen Belieferungsmodellen liegen. Anfangs sollen jedoch auf Grund der demografischen Veränderungen auch neue Formen von Liefer- und Mobilitätsdienstleistungen exploriert werden, und sich nicht auf den reinen Paketlieferdienst beschränkt werden. Über die Aufstellung verschiedener unterschiedlich glaubwürdiger Zukunftskonzepte, soll die Thesis schlussendlich in der Ausarbeitung eines aus heutiger Sicht realistischen Konzepts münden.
1: Popitz, Heinrich (1989) nach Binder, Jana (2005): Globality. Hamburg: Lit-Verlag. S.152.
2: Steffen, Alex (2008): Worldchanging – A User‘s Guide for the 21st Century. New York: Abrams. S.39.