Stephanie Neumann
Neighbourhood – more than a collection of numbers
Studiengang Interfacedesign
Mentoren Prof. Dr. Frank Heidmann, Prof. Reto Wettach
Präsentation voraussichtlich März 2012
»Ich besuch‘ jetzt einfach meine Nachbarn. Geh‘ ich hin, und da sag‘ ich ... da sag‘ ich: Na Leute, wie lebt ihr denn so?« Eberhard Esche [1]
Kurzbeschreibung
In einem Hochhaus mit 136 Wohneinheiten leben vergleichsweise so viele NachbarInnen wie in einem Dorf. Die Strukturen sind jedoch meist anonym und von einer Abwesenheit von Kommunikation und einem Zurückziehen in das Private gekennzeichnet. Einsamkeit und Isolation sind keine Seltenheit; die Potentiale soziokultureller Diversität und generationsübergreifenden Zusammenlebens bleiben in der Regel ungenutzt. Das Knüpfen der, für die gefühlte Lebensqualität der Menschen wichtigen, so genannten weak oder bridging ties [3] wird in derartigen Strukturen wenig gefördert. Das eingangs aufgeführte Zitat verdeutlicht, wie schwierig und wenig natürlich eine Kontaktaufnahme zu seinen NachbarInnen sein kann. Vor diesem Hintergrund wird in dieser Arbeit das Leben in anonymen, divers strukturierten Wohnverhältnissen exemplarisch untersucht. Auf dem Grat zwischen Anonymität und Verbindlichkeit geht es insbesondere darum, das Knüpfen der weak ties zu fördern und zu verstetigen, sowie Designkonzepte und Interaktionsszenarien
zu entwickeln, die die Qualität nachbarschaftlichen Lebens und Bewusstseins erhöhen. Die Gestaltung der damit verbundenen Services und ggf. technischen Artefakte wird prototypisch exploriert.
Fragestellungen
Fragen, denen in der Arbeit nachgegangen wird, sind insbesondere: Wie können Interaktion und Knüpfen von weak ties in einem Wohnhaus mit anonymer Wohnstruktur und soziokultureller Diversität gefördert werden? Wie kann dabei mit einer Kombination aus neuen Technologien und dem realen Umfeld interagiert werden, um die Lebenswelt der BewohnerInnen zu bereichern? Wie bedingen die verschiedenen Bereiche des Raumes – privat, halbprivat, halböffentlich, öffentlich [4] – und deren Charakteristika die Interaktion? Wie können Potentiale sichtbar gemacht und genutzt werden, ohne die Privatsphäre der Bewohner zu gefährden?
Gestaltungsvorhaben und Vorgehen
Innerhalb der Masterarbeit soll untersucht werden, welche bekannten, abzuleitenden beziehungsweise neuen Aspekte des Interaction Design im nachbarschaftlichen Kontext zum Einsatz kommen können. Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung der Interaktion in anonymen Wohnstrukturen mit soziokultureller Diversität. Mit Hilfe von Cultural Probes [2] und Interviews mit BewohnerInnen, als Experten ihres Lebensraums, werden Bedürfnisse, bestehende Netzwerke und Alltagsstrategien analysiert. Im Sinne einer praxisbasierten Forschung, ist die Arbeit mit Prototypen und Artefakten ein wesentlicher Bestandteil des Entwicklungsprozesses. Deren frühzeitiger Einsatz in Experimenten und Workshops mit Probanden, dient der Überprüfung aufgestellter Hypothesen und der iterativen (Weiter-)Enwicklung der Konzeptarbeit.
Explorations- und Entwurfsphase gehen dabei fließend ineinander über. Dabei werden die BewohnerInnen von Beginn an in den iterativen Prozess integriert, um eine Entwicklung im Sinne der partizipativen [5] Forschung zu ermöglichen und lebensnahe, akzeptierte Lösungsansätze zu kreieren.
Quellen
[1] Fernsehen der DDR: Einzug ins Paradies, 5 Familien in Berlin-Marzahn, 1985.
[2] Gaver, W., Dunne, T., and Pacenti, E. Cultural probes. interactions 6, 1 (1999), 21–29.
[3] Granovetter, M. The Strength of Weak Ties. American journal of sociology 78, 6 (1973), 1360–1380.
[4] Newman, O. (1996). Creating Defensible Space. U.S. Department of Housing and Urban Development. doi: 10.1007/s00267-004-0342-0.
[5] Sanders, E.B., Corte-real, E., Durling, D., Luck, R., Arnould, E., and Friedman, K. Design