Katrin Kassel
Metamorphose einer Stadt
Studiengang Kommunikationsdesign
Mentoren Prof. Matthias Berow, Prof. Veruschka Götz
Präsentation voraussichtlich im März 2011
Kurzbeschreibung
Seit März 2010 lebe ich in einer kleinen aber feinen 1-Raumwohnung im Berliner Bezirk Mitte nahe der Kastanienallee, die sich im benachbarten Bezirk Prenzlauer Berg befindet. Die Miete meiner Wohnung ist extrem niedrig für Mitte- bzw. Prenzlauer Berg-Verhältnisse, denn ich lebe in einem sogenannten Trend- oder Szeneviertel. Dies war nicht immer so. Anfang der 1990er Jahre konnte man dort eine 100qm-Wohnung für 100 DM mieten. Heute ist dies kaum vorstellbar, denn der Prenzlauer Berg hat sich zu einer Top-Wohnlage verwandelt und man zahlt mittlerweile das Zwanzigfache. Erst kürzlich wurden dort teilweise Münchener Verhältnisse mit Spitzenpreisen von 12-18 €/m2 beobachtet (1).
Was ist passiert?
Diesen Prozess nennen Stadtplaner und Soziologen »Gentrifizierung« (2). Er umschreibt die komplette Umstrukturierung eines Stadtteils und läuft immer nach folgendem Muster ab: Beginnend in einem verlassenen Innenstadtbezirk stehen Wohnungen leer. Dementsprechend sind die Mieten niedrig. Immer mehr Menschen, darunter meistens Studenten, Künstler und Selbstständige, ziehen hinzu und beleben die Straßen. Eine alternative Kultur entsteht und hebt sich gegenüber dem Rest der Stadt ab. Irgendwann werden aus Studenten gut bezahlte Akademiker. Künstler und Selbstständige etablieren sich. Das Einkommen und die Bedürfnisse ihrer Besitzer vermehren sich, dadurch wird der Bezirk attraktiver für die Ansiedlung von Restaurants, Bars und Geschäften. Nun schalten sich Investoren ein. Häuser werden schick gemacht, die Mietpreise steigen, die Wohnqualität erhöht sich und der Mainstream siedelt sich an. Fertig ist das Trendviertel.
Recherche/Umsetzung
Gentrification bringt einen multidimensionalen Prozess mit sich und hat dadurch viele Aspekte, die es zu durchleuchten gibt. Hierbei möchte ich wertneutral bleiben und meine Rolle als Kommunikationsdesigner nicht außer acht lassen. Beobachtungen der kulturellen, architektonischen und ökonomischen Veränderungen einzelner Berliner Bezirke ist ein Teil meiner Recherche. Weitere Aspekte wären:
- bauliche, soziale und symbolische Aufwertungs- und Verdrängungsprozesse (geografische Entwicklung/demografische Entwicklung)
- Prognosen neuer »Aufsteigerkieze«
- Ermittlung »unsichtbarer« Informationen durch z.B. Workshops
Die Strukturierung und Darstellung meiner Forschungsergebnisse zu diesem Thema ist eine gestalterische Herausforderung. Dabei möchte ich beim theoretischen Teil an die Disziplinen des Informationsdesign anknüpfen.
Zusammengefasst könnte alles in Form eines Magazins, einer Plakatkampagne und/oder einer Webseite umgesetzt werden. Ich möchte mich aber noch nicht gestalterisch festlegen und dadurch eventuell einschränken. Die Recherche könnte über die Zeit noch andere mediale Gestaltungslösungen mit sich bringen.
Erste Zielsetzung
In meiner Masterarbeit möchte ich mich mit der Entwicklung und Verwandlung der Stadtteile im Allgemeinen und eingegrenzt auf Berlin auseinandersetzen. Die Ergebnisse meiner Arbeit möchte ich informativ und aufklärend darstellen und vermitteln.
1) Berliner Morgenpost, 10.2010
2) Gentrification
(engl. gentry = niederer Adel). Der Begriff »Gentrification« wurde 1964 von der britischen Geografin Ruth Glass geprägt, die eine Studie zu den Veränderungen in London untersuchte: »Große Häuser im victorianischen Stil, heruntergewirtschaftet in früheren Perioden (…) wurden ein weiteres Mal aufgewertet. Sobald dieser Prozess der ›Gentrification‹ in einem Gebiet beginnt, setzt er sich unaufhörlich fort bis alle oder die meisten der bisherigen Arbeiterklasse-Bewohner/innen vertrieben sind und sich der gesamte soziale Charakter des Viertels ändert.«*
*gentrificationblog.wordpress.com