Arbeitsbereich: Studiengangsdekan für Produktdesign
Lehrgebiet: Produktdesign mit digitalen Medien
Raum: Haus 5 / 1.01b
Telefon: 0331 / 580 1403
Sprechzeiten: Mi ab 14 Uhr nach Vereinbarung

Prof. Nils Krüger

Geb. 1970 in Leipzig

Kursangebot
Produkdesign mit digitalen Medien (Module 1.145, 2.125)

Betreuung
Werkstätten 3D – Digitaler Modellbau (Modul 1.412)
Design of Software Interfaces (Modul 2.133)

Praxis aktuell

Büro Staubach

Vita

1990–96

Studium Produktdesign an der Kunsthochschule Berlin Weißensee (KHB)

1994–95

Auslandsstudienaufenthalte in den USA und Frankreich

1996–98

Meisterschüler an der KHB

1997–98

DAAD-Stipendium in Paris

1996–99

freie Mitarbeit bei Art+Com Berlin und im Büro Staubach Berlin

seit 1999

Partner im Büro Staubach Berlin

1998–2003

Lehraufträge an der KHB Berlin, der TU Berlin, der FHTW Berlin und der HTW Dresden

seit 2004

Professur für Produktdesign mit digitalen Medien an der FH Potsdam

Statement
Produktdesign mit digitalen Medien – Die neuen Medien als gesellschaftliches Phänomen

Auf den Wandel der menschlichen Gesellschaft zu reagieren ist per se Gegenstand der Designarbeit – somit auch die Reaktion auf die gravierenden Veränderungen sozialer Strukturen durch die neuen Medien und Technologien. Entortung und zeitliche Flexibilität sind Resultate der Vernetzung - mobile office, Einkaufen im Internet und Telemedizin sind Realität. Der Designer steht vor der Herausforderung, intelligente und perspektive Konzepte sowie überzeugende gestalterische Lösungen für die »neue Wirklichkeit« (nach Flusser) zu entwickeln.

Um das zu leisten, ist eine Umorientierung im Selbstverständnis der Designarbeit notwendig. Die Fokussierung auf das Gegenständliche ist nicht länger haltbar. An erster Stelle stehen vielmehr das kritische Vordenken der zu erwartenden Veränderungen, die unterschiedlichsten Kontextualisierungen und die Problematisierung als Annäherung an das Thema. Das erfordert vom Designer Offenheit und Kommunikationsfähigkeit mit anderen Kompetenzbereichen, ein hohes Maß an Abstraktionsvermögen und Urteilskompetenz. Erst so können adäquate Strukturen und letztendlich Konzepte entstehen, die auch Gegenstand von Gestaltung werden.

Die neuen Medien als Werkzeug

Die Ausprägungen der neuen Technologien sind so vielfältig und komplex, dass sie in ihrer Gesamtheit nicht durch den Einzelnen zu beherrschen sind. Hinzu kommt die rasante Entwicklungsgeschwindigkeit der Hard- und Software, welche die kontinuierliche Auseinandersetzung mit ihnen erfordert. Komplexität und schnelle Entwicklung führen zwangsläufig zu Differenzierung im Arbeitsprozess. Die professionelle Arbeit mit digitalen Medien ist daher nur in personellen Netzwerken möglich.

Ungeachtet der enormen Potenz bleiben die digitalen Medien in diesem Kontext ein Werkzeug. Kein Konzept wird sinnfälliger, kein Entwurf besser durch die Bearbeitung mit diesen. Das heißt, die wichtigsten Kriterien für die Erarbeitung qualitativ hochwertiger Designergebnisse bleiben das konzeptionelle Denken und die gestalterischen Fähigkeiten. Wichtig für den Designer ist es, einen Überblick und ein prinzipielles Verständnis der Programme und Verfahren zu haben. Er muss, wie bei jedem anderen Verfahren auch, Vor- und Nachteile, Möglichkeiten und Einschränkungen sowie die Wirkung und Wahrnehmung der digitalen Medien kennen. Seine Aufgabe ist es, die jeweils geeigneten Mittel auszuwählen und mit den betreffenden Fachleuten kommunizieren zu können. Hier sind kritischer und professioneller Umgang sowie Entscheidungskompetenz gefragt. Das konkrete Beherrschen (Bedienen) von präferierten Verfahren oder Software steht an zweiter Stelle.

Die neuen Medien als Gegenstand gestalterischer Arbeit Die neuen Medien selbst stehen längst für eine autarke, oft nichtdingliche Gruppe von Produkten. Grafische Benutzeroberflächen, Websites, digitale Präsentationsformen sind beispielhaft dafür. Simulation und Visualisierung von Prozessen als Grundlage für Entscheidungen werden weiter zunehmen. Das »klassische« Produktdesign ist mit einer wachsenden Zahl von Erzeugnissen konfrontiert, bei denen Menüführung und grafische Benutzeroberfläche zum wesentlichen Funktionsmerkmal werden.

Außerdem haben sich die neuen Medien als eigenständiges, künstlerisch-ästhetisches Mittel etabliert – im Theater als virtuelle Bühnenräume, im Museum als Installationskunst oder im Web. Die digitalen Medien werden also selbst zum Gegenstand gestalterischer Arbeit. Da im Immateriellen der Virtuellen Welten alles möglich scheint, stehen auch hier Sinnfälligkeit, Konzeption und Strukturierung vor der visuellen Gestaltung.

Designer, die das Vordenken, die Reaktion auf Veränderungen und das Anbieten intelligenter Lösungen als Grundsatz ihrer Arbeit verstehen, können sich der Auseinandersetzung mit den neuen Medien nicht entziehen. Egal auf welcher Ebene man sich bewegt scheint kritische Distanz geboten, ein hohes Maß an Urteilskompetenz sowie die Fähigkeit zu Teamarbeit und Kommunikation gefragt zu sein. Wenn zudem das einzig Konstante im Umgang mit den neuen Medien der schnelle Wandel ist, ist die Schwierigkeit für die Lehre evident. Wie sollen Determinanten für eine bedarfsorientierte Lehre in einem sich ständig veränderndem Umfeld wie den neuen Medien definiert werden?

Natürlich müssen Studierende die neuen Technologien kennen lernen, um souverän mit ihnen umgehen zu können – jedoch die Weitergabe von Wissen allein wird für die Entwicklung einer notwendigen intellektuellen und sozialen Kompetenz der Studierenden nicht genügen. Bildung, die Fertigkeiten anstatt Fähigkeiten fördert, kapituliert langfristig vor einer gesellschaftlichen Realität, die mehr denn je Flexibilität im Erkennen und Lösen von Problemen erzwingt. Gerade im Bereich der digitalen Medien und Technologien wird Kompetenz gefragt sein, sich einer scheinbar zwangsläufigen Entwicklung zu entziehen und ihr konstruktiv wie auch destruktiv begegnen zu können. Studierende müssen also dazu angehalten werden, den Diskurs, die Auseinandersetzung als Weg der Bewältigung von Konflikten und Problemen zu begreifen und nicht hergebrachten Wissensstandards zu vertrauen. Das Lehrgebiet »Produktdesign mit digitalen Medien« hat die Potenz, die Studierenden mit dieser Art der Problembewältigung vertraut zu machen und so die Grundlage für professionelles Arbeiten in der Zukunft zu bilden.

 

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